Tag6: Tatsueji-Sanroku

Ich habe gut geschlafen, Frühstück gab es um 6:00. Leider ist das Foto vom leckeren japanischen Frühstück verschwunden. Aufbruch um 06:35

Den Weg bis zum Aufstieg nach Tempel#20 Kakurinji kann man im Wesentlichen vergessen: immer an der Straße mit viel Verkehr entlang, gibt es nicht viel Erinnerungswürdiges zu sehen.

Einen laut Karte vorhandenen Family Mart kann ich beim besten Willen nicht finden, also müssen meine drei Stücke Calorimate für den Weg reichen.
Überhaupt die Karte: für sagt 13,2km für den kürzesten Weg, alle Beschilderung jedoch 15km. Der Aufstieg ist sehr steil, daher sehr anstrengend aber technisch nicht schwer. Zu Beginn des Weges hat man ein Reservedepot an Wanderstöcken eingerichtet, mindestens einen Stock braucht man auch ganz sicher. Ich bin mit meinen Alustöcken äußerst zufrieden.

500m Höhe auf 2,5km macht durchschnittlich 20% Steigung. Für mich bedeutet dies alle Hundert Meter eine kurze Verschnaufpause. 10:30 erreiche ich Tempel#20 Kakurinji. Eine schöne Anlage und ich erhalte von einer Dame einen Becher Instantcafé und von einem alten Paar drei Mandarinen als Osettai, auch wenn sie es so nicht nennen. Sehr nett und hilfreich jedenfalls. Ich esse zwei sofort, eine bleibt als Reserve.

Der Abstieg ist sehr steil und mit großen und kleinen Stufen und es heißt gut aufpassen, wo ich den Fuß hinsetzen will. Unten angekommen ist es kurz nach Zwölf, es gibt einen Rastplatz für Pilger mit Sofa und einer Orange. Die esse ich, obwohl oder gerade weil sie sehr sauer ist, fast wie eine Grapefruit.

12:30 breche ich auf, ich fühle mich ausreichend fit und gestärkt für die Extra Kilometer, um den Katzenschrein Omatsu Gongen zu sehen und dann auf dem historischen Kamo Trail nach Tempel#21 Tairyuji aufzusteigen.Tacktacktack -im Sekundentakt klopfen die Wanderstöcke auf die Landstraße, es fährt nur vereinzelt ein Auto vorüber.

Eine schöne Strecke an Fluss entlang, dann über eine Brücke. Es werden neue Ufer Befestigungen gebaut. Ich wundere mich, wie hoch, aber das scheint tatsächlich nötig, bei einer Flut. Zum Omatsu Gongen geht es über eine temporäre Brücke, ist die alte vielleicht fortgespült worden?

Dann komme ich mit vor wie in einem Roman von Haruki Murakami, überall Katzenfiguren in allen Größen und über allem thront ein großes graues Exemplar. Bin ich mir meiner weißen Kobo Daishi Pilgerkluft vielleicht unpassend gekleidet für diesen Shinto-Schrein? Aber soweit ich weiß, ist für den Buddhismus alles miteinander verbunden und Teil des Großen Ganzen, und da gehören numal auch Katzengottheiten dazu. Ich muss mich da dringend einlesen, wie genau Shinto und Shingon Buddhismus zueinander stehen Wird also hoffentlich kein Frevel sein.Sehenswert, hat den Umweg jedenfalls gelohnt.

Dann geht es am Isshukuji Tempel

vorbei, dort startet der Kamo Trail, der historische Wegmarker aufweist, der älteste bekannte dauert auf 1365. Früher gab es alle Hundert Meter einen solchen, und auch viele kleine Schreine. Aber dann geriet nach dem 18ten Jahrhundert der Weg für Generationen in Vergessenheit, bis man ihn vor fünf Jahren wieder freigelegt hat. Ein supertoller Weg, den ich allerdings nicht gern hinunter gehen möchte, vor allem nicht bei feuchtem Wetter. Ich starte um 14:30

Auf den ersten 1,3km schraubt er sich fast auf Zielhöhe, danach geht es fast flach zu. Aber es heißt aufpassen, nicht stolpern und womöglich den extren steilen Anhang hinunterfallen. Ein Weg mit einer besonderen Atmosphäre, jeden Augenblick könnte Prinzessin Mononoke auf ihrem weißen Wolf herbei geritten kommen.

Dann erreichte ich Tempel#21, 16:15 auch hier kein Mensch zu sehen. Schon geschlossen? Habe ich eine Zeitumstellung verpasst? Aber nein, das Stempelbüro ist geöffnet, die letzte Seilbahn hinunter, fährt um 17:00, ich habe also noch etwas Zeit, um über die schöne Anlage zu strolchen. 30km sind geschafft, die vielen Treppen hier erklimme ich ohne Rücksack.

Die Seilbahnfahrt ist spektakulär, für das Vorzeigen eines Passes gibt es 50%Discount, für somit 1200¥ist Hin-und Rückfahrt (morgen früh) ein Schnäppchen.

Ich bin total verschwitzt und stinke. Im Minshuku Sowaka neben der Seilbahn checke ich ein, fülle eine Waschmaschine mit meinen müffelnden Klamotten und weiche mich selbst im Onsen gründlich ein. Um 18:30 gibt es auch schon das phantastische Abendessen.

Zwei bekannte japanische Gesichter sehe ich, alle anderen Nationalitäten scheinen per Anhalter vom Tempel# 21 aufgebrochen zu sein, wie ich im Gespräch erfahre.

Tag5: Tokushima-Tatsueji

Der Tag beginnt mit einem wie erwartet, spartanischen Frühstück.

Dann geht es mit dem Lokalzug zurück nach Station B04-Ko und von dort die zwei Kilometer zu Tempel#17

Zeit für ein zweites Frühstück, eine Dampfnudel, gefüllt mit Schwein.

Mit dem Bus, Linie 50 geht es zurück nach Tokushima Station und von dort weiter mit der Mugi-Linie nach Station M05-Chuden. Von dort bin ich wieder zu Fuß unterwegs nach Tempel#18 Onzanji.

Da mochte wohl jemand zu Lebzeiten gerne Bier und Sake😊

Kobo Daishi Otsue-no-mizu

Anschließend geht es weiter nach Tempel#19 Tatsueji, wo ich auch übernachten werde. Direkt hinter dem Tempel werde ich von einem Mann mit Hut abgefangen, der mir aus seinem Auto einen deutschen Prospekt,r Uber Jesus handelt, herbeiholt. Er versucht wohl ein in der Ferne irregeleitetes weißgekleidetes Schäfchen zu bekehren. Ich muss dankend ablehnen, denn mein Gepäck ist ohnehin zu schwer.

Pilgerhütte mit Getränken

Die Shukubo Reservierung durch die Osaka-Hoteldamen war erfolgreich, ich habe eine Reservierung. Ich werde direkt an Stempel Büro eingecheckt und mir wird gezeigt, wo mein Zimmer, Waschmaschine, Toilette und Dusche sind.

Um 17:00 gab es eine Zeremonie, an der ich teilnehmen durfte. Ich habe hierfür ein Gebetsbuch im Zimmer, aber das ist auf Japanisch. Während der Zeremonie in der Haupthalle kündigten sich draußen hinter mir bekannte Pilger Gesichter an. Ich war eindeutig nicht konzentriert genug, um mich nicht davon ablenken zu lassen.

Nach Tempel-Wifi habe ich nicht gefragt, aber gibt es, wie nach den Essen mitgeteilt wurde, jedoch nur im Eingangsbereich. In meinem Zimmer ist der Empfang sehr schwach Abendessen gab es direkt nach der Zeremonie also um Viertel nach fünf. Etwas früh, aber sehr sehr lecker.

Ein Deutscher unter fünf Japanern, zum Glück konnte einer ein wenig Englisch, sonst wäre gar keine Kommunikation möglich gewesen. Ich hätte wirklich vorher einen Grundkurs Japanisch belegen sollen, damit wenigstens die allgemeinen Dinge klappen. Ob ich den ziemlich angetrunkenen Japaner verstanden hätte, der angeblich in Deutschland war, essgschiaayy, ist fraglich. Plötzlich sprach er mich im Zug an, drängte mir ein Gespräch auf und hörte nicht mehr auf zu reden. Andere Fahrgäste haben die Augen verdreht und ich habe von seinem Englisch nichts verstanden. Immer Recht freundlich. Frühstück gibt es bereits um 06:00. So habe ich viel Zeit für die anstrengende Etappe morgen nach Tempel#20 und Tempel#21, über 20km mit 1000 Höhenmetern. Wenn ich für genug bin, möchte ich 5 extra Kilometer zum Schrein des Katzengottes machen, aber bin mir wegen meinem Rücken nicht so sicher.

Tag4: Kamyama-Tokushima

Ein schönes Frühstück entschädigt mich dafür, dass heute mein Gepäck nicht so recht in den Rucksack passen will. Ein Reisball und ein halber Liter Milch sollten mir als Reiseproviant dienen, im Endeffekt habe ich sie erst in Tokushima auf dem Zimmer im einfachen Business Hotel gegessen.

Erst um halb neun gehe ich los nach Tempel#13. Die ersten drei Kilometer geht es stetig bergan, von wegen alles flach. Es ist ziemlich kühl, aber ansatzweise sonnig. Leider hat die Kirschblüte noch nicht begonnen, sonst wäre diese Strecke wahrscheinlich noch schöner, wo sehr viele Kirschbäume mit hängenden Ästen wie Weidenbäume am Straßenrand stehen.

Ein Auto hält an und eine Frau überreicht mir eine Tüte getrockneter Früchte als Osettai.

Es handelt sich jedoch nicht um Mango wie ich zuerst dachte, sondern vielleicht Sternfrucht, Karambole oder auch Streifen einer nicht sehr süßen Papaya. Oft sehe ich riesige Rettiche im Boden stecken, deren Grün einfach abgeschnitten wurde.

Vor einem Tunnel wird in der Karte ein parallel verlaufender, alternativer Weg angezeigt. Unwesentlich länger, deshalb will ich ihn gehen. Nach dreihundert Metern hält ein Auto und ein altes Paar ruft, Tunnel! Go back, go back. Ich bin unbelehrbar, denn ich kann Karten lesen und diese ist auch aktuell. Zum Glück, denn die schmale Straße durch die Schlucht ist sehr schön zu laufen.

Bei km10 mache ich kurze Pause und probiere mein Osettai und sprühgetrockneten Kaffee aus meiner Thermoskanne. Als ich gerade gehen will kommt ein französisches Pilgerpaar und wir unterhalten und ein wenig, gehen ein Stück zusammen. Ein paar Kilometer später treffe ich weitere bekannte Pilger der letzten Tage wieder. Ich spiele mit dem Gedanken, den Nebentempel#2 zu besuchen, aber diese zusätzlichen 4km können dann zu viel für heute werden, Damit sollte ich Recht behalten. Zwei km vor Tempel#13 Dainichiji gibt es eine Hütte mit heißem Wasser und Orangen gratis für Pilger. Lecker. Der Tempel ist sehr schön, vor allem der Teil auf der anderen Straßenseite.

Dann geht es weiter nach Tempel#14.

Tempel#15 hat Restaurationsarbeiten an der Haupthalle.

Es fängt an zu regnen, ich ziehe meine Regenjacke an und mache den Rucksack wetterfest. Es wird deutlich kälter und so windig, dass ich meinen Pilgerhut absetze und die Kapuze nehme. Bei Tempel#16 lasse ich zuerst mein Pilgerbuch stempeln und verpacke es sicher, bevor ich im strömenden Regen den Hallen meine Aufwartung mache.

Für#17 ist es zu spät, deshalb laufe ich zur Bahnstation und fahre ins Zentrum zu meinem Hotel.

Fahre ich morgen früh zurück zu Tempel#17.

Tag3: Kamojima-Kamiyama

In Kürze: so wie geplant hat alles funktioniert. Das Problem war nur, dass mein Plan nicht ganz meinen Vorstellungen entsprach…

Dies war mein Frühstück im Ryokan:

Dann ging es mit den Zug nach Kamojima, was zwei Stationen neben meinem gestrigen Endpunkt liegt.

Nach 2,5km komme ich zu Tempel#11,Fujidera, ein sehr schöner Tempel:

Und jetzt geht es hinauf und hinab und hinauf und hinab… Irgendwann habe ich einige grüne Schilder verstanden, dass darauf die Steigungen von 1 bis 6 durch nummeriert wurden. Insgesamt waren es über 1200 Höhenmeter und stellweise extrem steil. Das Wetter war kalt und bewölkt, fast perfekt für die Anstrengung aber auf 700m Höhe blies der Wind eisig. Ich war froh über meine Wanderstöcke und das Halstuch, aber vor allem meinen Angora Pulli, der auch schweißnass noch warm hält.😍😍😍

Drei bekannte Gesichter begleiteten mich über weite Strecken, hinzu kamen neue Pilger. Schon auf halber Strecke lief ich auf Notstrom, das Frühstück war am Berg abgearbeitet. Zwei Bananen, ein halbes Ottesai Calorimate und ein kleiner Hotelkeks sollten mich über die Strecke bringen. Ich will ja abnehmen. Aber: wenn es steil bergauf geht, braucht es schnell viel Energie. Mit Übergewicht und schwerem Rucksack noch mehr. Reine Fettverbrennung schafft das nicht. Zuckerfreie Pfefferminzpastillen scheinen den Körper auszutricksen, damit er nicht in den Stromsparmodus bei zuwenig Energiezufuhr schaltet. Eine Banane und der Keks retteten mich so gerade eben die letzten 300 Höhenmeter auf zwei Kilometer hinauf. Tätärätätä: Tempel#12 Shosanji war erreicht, einer der Henro-korogashi, den sogenannten Pilgerkillern.

In einem Automaten entdecke ich eine J-Cola Zero, Fake Kalorien für den Abstieg zum Hotel, vermeintliche 9km. Zum Glück ziehe ich mir noch eine Packung Calorimate in der braunen Schoko Version, und esse die Hälfte als Tuning, denn es stehen ja noch zwei Stunden Fußmarsch an. Pustekuchen, es werden mehr als drei, denn bis zu meinem Onsen Hotel sind es weitere fast 15km. Ups.

Der Weg ist schön, im Dunkeln komme ich an. 29km. Morgen sollten es 27km für die Tempel 13-17 sein, aber alles flach. Geradezu Easy Going😉

Tag2: Tokushima

Ich habe gut geschlafen auf dem sehr festen Futon. Dem Rücken geht es wieder besser, ich starte mit einem klassischen Frühstück.

Dann geht es in Zug zurück nach Itano. Leider mit den falschen Ticket, die rote Zahl unter dem eigentlichen Preis bedeutet den Zuschlag bei Limited Express. Mit solch einen bin ich gefahren, deshalb gibt es bei Ticket Abgabe am Bahnhof ein freundliches Nachrufen, Limited Express, Limited Express! Es hilft nichts, ich muss zahlen. Sorry. Es fängt an zu regnen, erst leicht dann mehr. Also Regenjacke an, doch keine 3 Minuten später kommt die Sonne heraus, es wird viel zu warm. Ab hier nur noch T-Shirt unter dem Pilgerhemd. Es bleibt fortan den ganzen Tag sonnig und Uhr 20°im Schatten warm. Ich bekomme ziemlich viel Sonne ab und habe gegen Ende des Tages beinahe Sonnenbrand.

Hier folgen nun Bilder auf den Weg von Itano Bahnhof nach Tempel#6

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Sehr viele Häuser verfallen, alle Geschäfte entlang der Straße geschlossen, anscheinend dauerhaft. So manches mal Frage ich mich, lebt da noch jemand? Fast nur noch sehr alte Menschen hier.

Am Tempel#6 kaufe ich mir noch so einen praktischen Raucherstäbchenspender, also noch mehr zu tragen.

Ich muss auch feststellen, dass der Tempel#1 Shop durchweg 50% teurer ist, als dort.

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ei Tempel 7 sitzt ein japanisches PowerPilgertrio, das ziemlich lang dreistimmig versetzt Sutren murmelte, da traut man sich gar nicht, den Gong zu schlagen, oder einen Minz Obolus einzuwerfen…

Anschließend Udon Nudeln mit Limette-lecker.

Im Restaurant unterhalte ich mit einem japanischen Pilger, der alle 88 Tempel in 42 Tagen machen will. Und vielleicht auch alle Nebentempel? Unklar, denn gestern war er bei B1.

Der Weg nach Tempel#8 könnte ein paar zusätzliche Wegweiser gebrauchen, fast dachte ich, mich verirrt zu haben, Google Maps half mir dann am Gochi Schrein.

Tempel#8 ist ein sehr schöner Tempel.

Treffe hier den Japaner wieder, und später auf dem Weg nach Tempel#9. Er trägt ebenfalls 12kg, denn er hat auch ein Zelt dabei.

Bei Tempel#10 werde ich plötzlich namentlich gerufen: Teutonische Pilger die mich auf Facebook gesehen und direkt erkannt haben. Das ist auch Digitalisierung: die Welt erscheint klein, doch zu Fuß ist es ein ganzes Stück Weg…

Gerade ging unterhalb des Tempels ein Fest zu ende, viele Menschen und viele Stände mit Essen und anderen Dingen.

Als ich oben wieder aufbreche, kommt der Japaner ebenfalls an. Ich freue mich darauf ihn morgen vielleicht wieder zu sehen.

In mancher Pilgerhütte liegt ein schlaffer Pilger..

Ich schließe den Pilgertag am Bahnhof Awa-Kawashima,31km

Ich nutze die Wartezeit bis der Zug kommt um per Skype mein Ryokan anzurufen. Habe zu lange getrödelt oder gehe nicht schnell genug, um noch per Zug pünktlich zum Essen zu kommen. Ich annoncierte eine halbe Stunde Verspätung und hoffte man hat mich verstanden. Kurz vor 19:00 Ankunft Hotel, eben frisch machen, Kleidung wechseln und das Essen genießen. In Vorbereitung auf das anschließende Bad im Whirlpool und „Onsen“ habe ich leider das Smartphone in Zimmer gelassen und kann nun kein Foto des opulenten Japanischen Küchen Potpouris präsentieren, sondern nur schwärmen: Sushimi, Shabu Shabu, diesmal doppelt, Hühnchen und Gemüse, oder diverse Meeresfrüchte wie kleine Octopus, Suppe, diese grauen Nudeln, und diverse Dinge in Tempurateig. Gestern war gut, heute war köstlich. Danach noch eine halbe Stunde schrumpeln in heißem Wasser. Ein feiner Tagesausklang, damit der morgige Aufstieg nach Tempel#12 auch gut klappt.

Tag1: Tokushima

Erst kurz vor dem frühen Aufstehen kann ich einschlafen. Jetlag und zu viele Gedanken daran, ob morgen der Transport, die Pilger Erstausrüstung, die ersten Tempel Stempel und der Weg ins Ryokan alles so klappt wie ich mir vorgestellt habe, hielten mich wach. Müsli (von daheim 😊) und Instantcafé ersetzen das richtige, vorab gebuchte Frühstück, denn dafür ist es noch zu früh bei meinem Aufbruch nach Shikoku.

Ich frage mich, wann die Entschleunigung eintreten wird, ja ob überhaupt. Zu viel geplant, zu wenig Laissez faire?

Schöne Planung, dich schon in Kobe gibt es Stau. Schaffe ich noch den Anschluss? Oder doch über Tokushima? Hätte ich doch später fahren können und vorher frühstücken…

Der Bus hat es geschafft. Highway Naruto Ausstieg, Fußmarsch zur Bushaltestelle der Linie 5, die direkt vor die Tempeltür fahren soll. Problem: dir wo angegeben ist keine Haltestelle.

Etwa 100m weiter gibt es eine, hat auch den richtigen Namen. Aber in welche Richtung fährt denn der Bus? Ich versuche einen Busfahrer zu fragen, ob es die richtige Haltestelle sei, er schickt mich in die andere Richtung, nachdem ich ihm mein Ziel gezeigt habe. Ich laufe, nach etwa 300m eine Haltestelle eines Loop Busses, aber mir kommen Zweifel, ob dies für mich passt. Besser zurücklaufen, den nur an der anderen Haltestelle stoppen Busse. Im Moment meiner Ankunft, kommt auch schon die 5. Ich Frage den Fahrer, er sagt Hay. Ich steige ein, doch falsch, den vorne ist der Ausstieg und bezahlt wird hinterher, aber dazu muss man ein Ticket an der hinteren Tür ziehen. Absolut Retro mit der Tür, einmal muss der Fahrer auch nachhelfen, will sie klemmt. Der Fahrpreis? Der baut sich während der Fahrt nach und nach auf, man muss nur nach seiner Nummer der Haltestelle schauen, für mich 370¥für die 11km.

Einen zockeligen Zickzackkurs später komme ich an Tempel#1 Ryozenji an. Links neben dem Eingang in einem Tempelshop stelle ich meine Pilgerausrüstung zusammen: Hemd, Hut, Kinnschnur, Tasche, das Stempelbuch Nokyocho, Feuerzeug, ein kleines Päckchen Räucherstäbchen und Mini Kerzen. Macht 12500¥ für eine sehr freundliche und hilfreiche Beratung

Ein paar Selfies, eine Verbeugung am Tor und ab in den Tempel, Hände und Mund ausspülen, Gong schlagen, Haupthalle suchen und finden. Räucherstäbchen und Kerze anzünden, Geld und Osamefuda einwerfen… Moment, die sind im Rucksack und den habe ich neben dem Eingang abgestellt… Also inkognito. Sutra aufsagen kann ich nicht, ich schaue den Buddha respektvoll stumm an. Die gleiche Prozedur vor der Daishi Halle für Kukai.

Jetzt noch eine schöne Kalligrafie mit Stempel ins Buch und der erste Tempel ist vollbracht.

Zur Belohnung gibt es Udoni Nudeln mit Tofu im Cafe neben dem Tempelshop. Lecker.

Weiter zum zweiten Tempel:

Im Stempelbüro erhielt ich ein kleines Origami als Osettai.

Bei Tempel#3 erhielt ich ein zweites Osettai von einem Besucher: Calorimate, Energiewürfel für den schlappen Wanderer.

Es ist warm und sonnig, da braucht der Pilger ein Upgrade…

Auf dem Weg zum vierten Tempel kommt man an einem riesigen Kampferbaum und Schrein vorbei:

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Zuletzt noch Tempel#5

Dann 3,6km zurücklaufen zur Itano Bahnstation. Die Beratung zur Bahnfahrt in Tempel 5 ist sehr nett von den Damen gemeint, hilft zuerst nicht wirklich, denn ich will ja laufen und keinen Bus dorthin nehmen.

Meine Unterkunft in Tokushima ist ein Ryokan, und ziemlich „angestaubt“.

Mit dem Abendessen, ein Shabu Shabu mit Udoni bin ich überfordert, zuerst mit den Zusammenbau der Speisen, dann auch mit der Menge. Ich finde mich jedoch zurecht und es war lecker.

Zum Abschluss des Tages noch ein kurzer Spaziergang durch die Stadt. Gehen Acht Uhr ist hier bereits wie ausgestorben, dabei bin ich doch noch überhaupt nicht in der Provinz Provinz.

Habe ein lustiges Autokarusell mit Kreiseln gesehen:

Morgen früh geht es dann zurück nach Itano und von dort ab Tempel#6 weiter, zum Glück mit leichtem Gepäck, denn meinem Rücken haben die beinahe 19km heute mit dem schweren Rucksack gereicht. Das Wetter könnte schlechter werden.

Die reine Strecke von Tempel 1 bis 5:

gestoppt…

Tag-1: Osaka

Entweder zu spät oder zu früh, so geht es mir mit dem angeblich hervorragenden Frühstücksbuffet in diesem Hotel. Ich bin zwar früh ins Bett, aber durch die lange Anreise gestern mit kaum Schlaf und Jetlag wachte ich erst um halb zwölf wieder auf. Mit verschwommener Sicht erkannte ich erst halb Acht als Uhrzeit, dann mit Brille, fragte mich, welche Zeitzone angezeigt wird. Es blieb bei Mittagszeit. Dann konnte ich auch direkt eine Fertignudelsuppe frühstücken:

Frisch gemacht geht es dann Richtung Burg Osaka, ich schwankte zwischen einer Büchse Automaten Kaffee und einem richtigem Kaffee, nur erschienen mir drei bis vier Euro für eine Tasse zu teuer. Als ich an einem Starbucks vorbeikomme, ist die Entscheidung gefallen: Cappuccino Venti. Hier kann ich auch das WiFi nutzen, um das Blog zu aktualisieren. Im Hotel wurde ich gestern dabei geblockt. Weshalb? Versuchsweiser Zugriff auf Pornoseiten: klappt. Da verstehe noch einer die Japaner…

Irgend ein nicht so intelligentes DNS Blocking, wie ich abends in einem Cafe erneut feststellen musste, oder es liegt es an meinem Hosting Provider Goneo…

Ein einzelnes Bild hochladen klappte noch, aber dann wurde abgedreht. Übers heimische VPN ging dann noch eins und dann war da auch Schluss. Ein neuer Versuch beim Happy hour Bier klappte, wenn auch nur gaanz ganz vorsichtig, datensparend, bis der Akkustand nur noch zwei Prozent betrug.

In die Google Cloud konnten hingegen alle Bilder problemlos und schnell vom Smartphone hochgeladen werden… So viel zum Thema Digitalisierung: ohne Daten, oder wie gehen Abend, ohne (Batterie-)Strom ist ganz schnell vorbei mit der Digitalisierung

Die Burg Osaka

habe ich nur von außen gesehen. Es gab eine riesige Schlange an den Ticketautomaten und die mit Personen besetzten Schalter langweilen sich zwar und beraten gerne und ausgiebig, aber weigern sich normale Tickets zu verkaufen. Dann eben nicht. Die Burg ist ohnehin nur eine Beton-Replica und daher von innen quasi „Fake“.

Aber von außen sehr beeindruckend, vor allem der Wassergraben, auch wenn die Kirschblüte sich leider noch großflächig verweigert. Eine Demonstration der Macht, die im siebzehnten Jahrhundert mehr als beeindruckt haben dürfte…

Gerade umzingelt ist die Burg von Convinis, hierzulande typischen Kioske mehrerer großen Ketten. Ich besuche einen und wundere mich, dass der Heizschrank direkt neben einem Kühlschrank steht, beides offen, beides nicht isoliert-Strom muss hier unglaublich billig sein. Ich probiere einen heißen Büchsenkaffee, nun ja, ein Vorgeschmack auf die Insel Shikoku?

Anschließend ging es entlang einer Templealley

nach Dotonbori, dem Vergnügungsviertel von Osaka.

Eine schier endlose Ansammlung von Futterbuden, Geschäften und Stundenhotels.

Die Pachinkohallen scheinen hier besonders laut zu sein, irgendeine Art Turbinengrollen übertönt das Scheppern der Stahlkugeln in den Maschinen, hart an der Schmerzgrenze.

Insgesamt eine sowohl visuelle, akustische als auch olfaktorische Kakophonie. Und unglaubliche Menschenmassen, die sich hindurch wühlen…

Auch im Untergrund geht es weiter:

Je weiter gen Norden in Richtung Hotel ich mich entferne, so gemütlicher werden Restaurants und Cafés. Eines mit Happy hour erschien mir einladend, so entschied ich mich zum Blogupdate.

Tag-2: Osaka

Ein paar letzte Worte zum Abschied, dann geht es los zum Flughafen. Der Trekking-Rucksack wird in eine Tasche gesteckt und eingecheckt. Weil es kein Koffer ist, muss er als Sperrgepäck aufgegeben werden, dabei ist er weder sperrig, noch schwer; die Waage zeigt weniger als neun Kilo an.

Wie schwer mag stattdessen das Handgepäck,sein? Der Flug, Air China via Peking, günstig, zwei Mahlzeiten, Getränke und Bordentertainment alles im Preis inklusive, ohne besondere Vorkommnisse.

Der Transfer am Flughafen Peking nimmt fast eine Stunde in Anspruch, gefilmt von hunderten von Überwachungskameras, gelange ich mit einem Cappuccino ausgestattet ans richtige Gate. Das Smartphone kurz anzuschalten, damit sich Uhrzeit und Uhr synchronisieren können, führt dazu, das trotz deaktiviertem Datenroaming das (absichtlich geringe) Restguthaben meiner Prepaid SIM in Sekundenbruchteilen verbraucht ist. Eine WhatsApp Nachricht wird mir zugestellt, das MB kostet „günstige“ 15,80€. Ich registriere mich für das „freie“ Wifi, E-MAIL funktioniert, aber WhatsApp ist gesperrt. Via heimischen VPN gelang die Umgebung für maximal eine Minute, dann hatte mich die Große Mauer wieder geblockt. Dann aber total.

Nach sechzehn Stunden Landung in Osaka, bei der Immigration gibt es allerdings Lange Schlangen. An einem ATM bei Lawsons kann ich mit zwei verschiedenen Kreditkarten erfolgreich Bargeld zapfen für je 216¥ Gebühren, Mal sehen welche den besseren Wechselkurs bietet. Gegen Cash kann ich die vorbestellte Haruka&Icoca Kombi Karte am Japan Rail West Store abholen. Hello Kitty kann nun kontaktlos für mich bezahlen.

Liquides Burgfräulein

Bahnsteig B4 nach Tennoji finde ich, aber keinen Fahrplan. Die Japan Travel App empfiehlt mir einen Zug, der aber laut Zugbegleiter kein Haruka ist. Der ist der nächste, aber Anschlüsse und Ausgänge werden korrekt angegeben, ich komme zum gebuchten Hotel. Die vorbestellte Brastel Japan Travel SIM wartet tatsächlich auf mich an der Rezeption, eine vorherige Bestätigung erhielt ich trotz Nachfrage von brastel.co.jp nicht. Die versprochene japanische 050 Nummer gibt es auch nicht, wenn man nicht gerade ein japanisches Mobiltelefon zum SMS Empfang verfügbar hat. Bräuchte man dann eine solche Nummer? VOIP macht vielleicht Sinn, wenn man nicht ohnehin Skype hat. Fazit: außer dem Komfort der Hotelzustellung und Aufladung der SIM per PayPal kein Vorteil erkennbar. 3780¥ für die 3GB mit Versand. 21h seit Aufbruch, Zeit sich etwas im Hotel frisch zu machen. Nach dem SIM Wechsel erst Mal Komplettabsturz des Smartphones, Bildschirm bleibt schwarz, aber zum Glück bekomme ich nach fünf Minuten dich ein Reboot him. IIJ funktioniert, ich habe nun mobile Daten, 4G. Ich will noch eine Runde durch die Stadt, vor allem herausfinden, wo ich das Busticket nach Tokushima für übermorgen bekomme. 07:10 Abfahrt Udema, Umsteigen bei Highway Naruto, dann sollte ich um 10:00 morgens an Tempel#1 Ryozenji ankommen…

Zuvor bitte ich noch die junge Dame an der Rezeption um Hilfe bei der Reservierung einer Unterkunft im Tempel#19 Tatsueji… Ob sie vielleicht für für mich anrufen könnte, und fragen, ob?… Im Endeffekt kümmern sich freundlich gleich drei junge Damen und ich erhalte eine Reservierungsbestätigung in Form einer Nummer. Mister Rolf oder Lodofo, ich weiß es nicht für wen.Die Nummer zählt hoffentlich. Sie bedanken sich auch fröhlich auf Deutsch bei mir, dabei bin ich es doch, der zu danken hat: Arigatō Gozaimaso.😊 Ich stornierte jedenfalls das Hotel in Anam, wird schon alles korrekt ablaufen und ich spare mir dort unnötige Transfer mit der Bahn.

Den Fahrkarten Schalter finde ich. Und wieder, trotz aufschreiben auf einen Zettel und Reisepass, wird mein Name verstümmelt, die letzte Silbe fehlt. Oder es passen nur fünfzehn Zeichen aufs Ticket. Wie zuvor in der TravelApp angezeigt, kostet es 3250¥ Wieder ein kleiner Erfolg. Hier ist es kalt, so etwa 5-10 Grad, da wird es Zeit, sich etwas aufzuwärmen. Der goldene Lichtschein aus einer schrill gelb beschilderten Nudelhöhle lädt mich ein. Ich versuche mich mit dem Translator, der auf den Video die Übersetzung einblendet. Naja, was auch immer da steht, ist es Dong, oder Silicon? Ein Bild sieht gut aus, am Automat mit Touch Screen wähle ich aus, Kitty zahlt die 540¥für die große Portion Reis mit Ei und Fleisch und Zwiebeln und Suppe. Ganz passabel.